Knapp anderthalb Jahre ist es her, dass ich Rent-a-Girlfriend Season 2 geschaut habe. Knapp anderthalb Jahre ist es her, dass ich meine Review dazu verfasst habe, in der ich meine Begeisterung für die Dynamik zwischen den Charakteren, wodurch ein unterhaltsames Beziehungs-Drama entstand, kundgetan habe. Ich habe aus einem, um es sanft auszudrücken, objektiv gesehen in nur sehr wenigen Punkten gelungenen Anime subjektiven Spaß gezogen. Die Story habe ich bewusst außen vor gelassen, da diese wirklich in keinster Weise Mehrwert bot.
Und nun bin ich wieder hier. Ich schreibe erneut eine Review. Über einen Anime, der eine Review wohl kaum verdient hätte. Über einen Anime, der eigentlich nichts weiter als eine klassische Romcom und für nichts höheres bestimmt sein sollte. Über einen Anime, der von Plattheit, Fan-Service und fragwürdigen Projektionen von Geschlechterrollen nur so strotzt. Aber dennoch über einen Anime, dessen dritte Season ich schauen musste. Und diese Season überzeugt. Nicht wie gewohnt mit nur plumpen Drama. Liebe Lesenden, schnallt euch an, diese Season hat Plot. Viel Spaß mit meiner Review zu Rent-a-Girlfriend Season 3.

In meiner Review zu Season 2 habe ich diesen Absatz damit begonnen zu deklarieren, dass ich auf die Story gar nicht eingehen möchte, da diese irrelevant war. Das ist jetzt anders. Die Einleitung war kein Scherz, Rent-a-Girlfriend hat sich für Season 3 einen Plot ausgedacht. Daher für alle, die tatsächlich in Erwägung ziehen diesen Anime noch zu schauen: SPOILERWARNUNG, ich werde keine Rücksicht auf Spoiler nehmen.
Chizuru schauspielert gerne und hegt den Wunsch, ihrer Oma einen Film präsentieren zu können, in dem sie vorkommt. Da ihre Oma aber schon seit langer Zeit mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hat, scheint dieser Wunsch ein Traum zu bleiben. Doch unser allseits geliebter Loser-Maincharakter Kazuya, der unsterblich verliebt ist in Chizuru, erklärt sich als Retter in der Not bereit, einen Film mit ihr in der Hauptrolle zu drehen. Diese Season schafft es beinahe komplett sich an diesen roten Faden über die gesamten zwölf Episoden zu halten. Damit wurde eine Grundbasis für etwas, was zumindest an eine Story heran kommen kann, geschaffen. An diesem Storystrang nehmen natürlich auch wieder die "Girlfriends" teil...

Dass Ruka mein Lieblingscharakter ist, habe ich schon beim letzten Mal ziemlich deutlich gemacht. Wie sie durchgehend in diesem Anime disrespected wird ist wirklich verrückt. Technisch gesehen hat sie Kazuya in eine Beziehung gezwungen, aber Fakt ist, dass sie offiziell in einer Beziehung sind. Und dass dieser Volltrottel Kazuya nicht einfach von Chizuru loslässt und sich daran erfreut, dass sich überhaupt jemand interessiert für ihn... es tut wirklich weh sich das mit anzusehen. So sehr sich Ruka auch bemüht, sie wird wohl am Ende des Tages auf dem Abstellgleis landen. Immerhin hat sie im Gegensatz zu anderen ihre Screentime bekommen.

Es gab sie wieder, die berühmt-berüchtigte Sumi-Episode. Man hat irgendwie versucht, Sumi in den Storystrang dieser Season irgendwie reinzupressen, ist aber kläglich gescheitert. Am Ende war es wieder einfach nur ein Date/Ausflug/Was-auch-immer mit Kazuya und Sumi, um uns einfach daran zu erinnern: "Hallo, du schaust hier gerade Rent-a-Girlfriend, also hier eine Episode wo er sich ein Girlfriend rentet und Spaß hat!" Nur gute Story wäre ja auch langweilig. Somit bleibt das shy und uwu Girl Sumi weiterhin nur ein irrelevantes Episoden-Gimmick.
Ich habe gewartet, und gewartet, und gewartet... zwölf Episoden lang. Sie kam nicht. Sie ist einfach verschwunden. Despawnt. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass es jemanden mit weniger Screentime als Sumi geben könnte. Aber Mami war einfach überhaupt nicht da. Selbst Kazuya hat sich zwischenzeitlich gefragt, wo sie denn eigentlich bleibt. Zwölf Episoden lang war sie nicht zu sehen... fast. In den Post-Credit-Szenen der allerletzten Episode war sie für ZEHN SEKUNDEN (!) zu sehen, zusammen mit Kazuyas Oma. Sie wurde nicht vergessen. Sie ist nicht verschwunden. Es hatte einen Grund warum sie nicht da war. Die Psychopathin ist etwas am Kochen. Ich weiß nicht, was sie vorhat, doch ich bin mir sicher, dass sie Kazuya das Leid und den Schmerz zufügen wird, den dieser Loser verdient hat.

Während Mami despawnt ist, hat sich die Serie dazu entschieden einen neuen Charakter einzubringen. Kazuya hat jetzt nicht nur Chizuru als Nachbarin, sondern auch Mini. Und oh mein Gott ist die nervig. Da sie als Gacha-Gaming-Streaming-E-Girl inszeniert wird, waren sich die deutschen Untertitel nicht zu schade, ihren Text so unangenehm und cringe wie nur möglich zu gestalten. Spätestens ab "Harte Ehrenmann-Aktion! Mashallah und so!" hab ich mich verloren. Ihre Mission ist eigentlich nur zu versuchen, Kazuya und Chizuru zusammenzubringen und daher spielt sie den Wingman für Kazuya. Zudem war sie noch am meisten mit in den Filmdreh verwickelt. Während Ruka und Sumi nur gelegentlich geholfen haben, hat sie durch ihre Social Media Reichweite für die Finanzierung dieses utopischen Projekts gesorgt.

Der Fakt, dass sie sich wirklich langsam aber sicher in Kazuya verliebt macht mich weiterhin fassungslos, aber darüber habe ich mich bereits genügend echauffiert. Der Anime hat sich aber spontan dazu beschlossen ihr einen crazy Character Arc zu verpassen. Die erste Hälfte der Season verbringt sie mit dem Produzieren und Drehen des Films für ihre kranke Oma. Das ist für einen Anime, der Themen zuvor meist episodisch abgearbeitet hat, eine große Zeitspanne. Plötzlich hat man ein Projekt und ein klares Ziel, auf das hingearbeitet wird.
Und dann passierte es. Kurz vor der Beendigung der Filmproduktion bricht Chizurus Oma zusammen. Plötzlich wird der Vibe der Serie komplett anders. Ich habe mir schon irgendwie vorstellen können, dass das passiert, doch ich hätte niemals gedacht, dass dieser Cringe-Shitshow-Anime sich wirklich traut, die Oma sterben zu lassen. Deswegen haben die letzten Folgen (bis auf die dumme und unnötige Sumi-Episode) einen unerwartet ernsten Ton erhalten. Man muss sich das mal vorstellen. Der Grund, warum sie überhaupt diesen Film begonnen hat zu drehen und ihr letztes überlebendes Familienmitglied zu dem sie aktiven Kontakt hatte, ist plötzlich tot. Daraufhin hat Chizuru eine miese Krise welche sie versucht zu ignorieren und einfach so weiterzuleben, bis sie sich letztendlich dann doch bei Kazuya ausheult, welcher es nicht mal in dieser Situation hinbekommt, sie zumindest mal kurz zu trösten und in den Arm zu nehmen, sondern ihr einfach zehn Minuten beim Weinen zusieht. Idiot. Nimm Ruka.
Rent-a-Girlfriend, so cringe, so platt, so peinlich, aber auch so unterhaltsam wie wenige andere Romance-Anime hat es geschafft, einen sinnvollen und gelungenen Plot zu kreieren. Von einem plumpen Fünfeck-Beziehungs-Drama mutiert die Serie in Season 3 zu einer emotionalen Slice-of-Life-Tragödie. Eine 180-Grad-Wendung, die überzeugen konnte. Selbst wenn man an den zwei Staffeln Shitshow davor keinen Gefallen findet, lohnt es sich alleine für diese Staffel sich durch den Rest durchzuquälen. Rent-a-Girlfriend war schon immer Peak. Und nun ist dieser Anime so Peak wie nie zuvor.
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