

Der Titel sagt schon alles – fast ein bisschen zu viel. Und das ist vielleicht auch symptomatisch für den Anime selbst: charmant, clever angelegt, aber nicht ganz so tief, wie er sein könnte. Trotzdem: Ich mochte die Serie. Mehr, als ich zugeben will.
Der Ausgangspunkt ist schnell erklärt: Alya ist heimlich in ihren Sitznachbarn Kuze verliebt und gesteht ihm ihre Gefühle immer wieder – auf Russisch. In dem Glauben, dass er sie sowieso nicht versteht. Spoiler: Er versteht sie sehr wohl. Daraus entspinnt sich ein zunächst sehr charmantes Spiel mit Missverständnissen, Geheimnissen und Annäherung. Für die ersten paar Folgen trägt dieses Gimmick auch wirklich gut.
Aber – und das ist das große „Aber“ – die Idee nutzt sich schnell ab. Glücklicherweise hat die Serie mehr zu bieten als nur diese Prämisse. Vor allem die Dynamik zwischen Alya und Kuze funktioniert überraschend gut. Ihre Dialoge wirken natürlich, ihre Chemie ist stark – und das trägt. Unterstützt wird das Ganze durch eine durchgehend überzeugende Synchronisation, sowohl im Original als auch in der deutschen Fassung. Ich habe oft hin- und hergeschaltet, einfach weil beides wirklich hochwertig produziert ist.
Im weiteren Verlauf wird der Cast wie üblich erweitert – mit wechselnder Qualität. Die einzig wirklich relevante Nebenfigur bleibt Yuki Suou, Kuzes quirlig-japanisch-aufgedrehte Schwester. Sie ist einerseits sympathisch, andererseits problematisch: Denn natürlich spielt der Anime mit dem altbekannten „die kleine Schwester liebt ihren Bruder“-Trope. Und zwar nicht subtil oder ironisch – sondern sehr direkt. Auch wenn sich die Serie manchmal selbst über diese Beziehung lustig macht, ist die Gratwanderung zwischen Comedy und unangenehmer Grenzüberschreitung deutlich spürbar. Für viele sicher ein Dealbreaker.
Was bleibt also? Storytechnisch eher wenig. Die Serie lebt von der Dreiecksbeziehung zwischen Kuze, Alya und Yuki, mit gelegentlichen „Höhepunkten“, die aber selten wirklich in Erinnerung bleiben. Die Handlung besteht im Grunde aus Slice-of-Life-Episoden und kleineren Konflikten. Alles nicht schlecht, aber auch nichts, was besonders hängen bleibt.
Was dagegen wirklich überzeugt, sind die Visuels: flüssige Animationen, lebendige Mimik, eine stimmige Farbpalette – das sieht alles ziemlich hochwertig aus. Auch das Opening ist ein Ohrwurm und wurde von mir deutlich öfter angehört, als ich es bei RomComs normalerweise tue. Die verschiedenen Endings sind ebenfalls ein nettes Extra, auch wenn ich sie meist geskippt habe – der Gedanke zählt.
Fazit:
Alya Sometimes Hides Her Feelings in Russian ist ein schöner, leicht verdaulicher Rom-Com-Anime, der seine eigenen Stärken nicht immer ausspielt. Das russische Gimmick hätte mehr Tiefe verdient, und der Anime verlässt sich etwas zu sehr auf Tropes. Trotzdem: charmante Figuren, starke Chemie, tolle Synchros und solide Optik. Sollte eine zweite Staffel kommen, bin ich dabei – auch wenn sie wohl wieder nur als „Ach ja, das hab ich auch gesehen“-Serie in Erinnerung bleibt.
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