

Diese Serie ist reinstes Chaos – aber auf die bestmögliche Art. Ich wusste anfangs selbst nicht, ob ich mir das antun soll. Harem plus Ecchi? Eigentlich ein Rezept, bei dem ich direkt Reißaus nehme. Aber 100 Girlfriends macht genau das Richtige: Es geht all-in mit Ironie, Meta-Humor und einer Überzeichnung, die das Genre zugleich parodiert und am Leben hält.
Das Konzept? Wahnsinn auf Ansage. Unser Hauptcharakter Rentarō bekommt per göttlichem Dekret gleich 100 Seelenverwandte verpasst, die er alle lieben muss – sonst sterben sie. Klingt überdreht? Ist es. Und es wird mit jeder Folge irrer. Spätestens gegen Ende der ersten Staffel wird eine Grenze überschritten, bei der man sich fragt, ob man lachen oder abbrechen soll. (Wer es gesehen hat, weiß, was gemeint ist.)
Aber trotz des anarchischen Humors gibt’s auch Kritik: Die Struktur wird schnell repetitiv. Jede neue Folge bringt eine neue Freundin, und die Serie verwandelt sich unweigerlich in eine Checkliste. Das Pacing wirkt dadurch ungleichmäßig – es ist zwar bewundernswert, dass später immer wieder Figuren ein Fünkchen Spotlight bekommen dürfen, aber bei dieser Menge an Charakteren bleibt es eine Herkulesaufgabe, wirklich Tiefe zu entwickeln.
Man könnte meinen, bei 100 potenziellen Freundinnen müsste ja auch eine interessante Figur dabei sein.
Ist auch so.
Vielleicht zwei.
Drei an einem guten Tag.
Der Rest ist eine Sammlung an wandelnden Tropes, die oft nicht mal mehr versuchen, mehr zu sein als ihr Stereotyp: die Tsundere, die Kleine, die Ruhige, die Verrückte, das Maskottchen mit Knallfolie im Kopf. Tiefgang? Fehlanzeige. Wenn überhaupt mal eine Figur mehr als zwei Folgen lang etwas Relevanz bekommt, ist das schon ein kleines Wunder.
Und ja – das Pacing ist katastrophal. Wenn man alle paar Minuten ein neues Mädchen „einsammelt“, bleibt kaum Raum für Entwicklung. Es fühlt sich an wie ein Sammelkartenspiel, bei dem man irgendwann einfach aufhört, sich zu freuen, weil eh noch 90 weitere Karten kommen..
Der Humor hingegen – inkl. vierter Wand, absurder Wortspiele und Daueranspielungen – funktioniert erstaunlich gut. Nicht alles zündet, aber immerhin nervt es selten. Auch das verdient ein anerkennendes Nicken. Aber auch die bizarrste Achterbahnfahrt wird eintönig, wenn man nach jeder Kurve exakt weiß, was als Nächstes kommt.
Rentarō als Hauptfigur überrascht: Anfangs die erwartbare 08/15-Schablone, wird er mit jeder Folge mehr zur parodistischen Lichtgestalt des treuen, verständnisvollen Superboyfriends – konsequent überzogen, aber mit Charme. Man glaubt ihm irgendwann tatsächlich, dass er diese 100 Beziehungen irgendwie managen könnte. Irritierend sympathisch.
Fazit:
100 Girlfriends ist keine gefühlvolle Charakterstudie, sondern ein dekonstruiertes Harem-Feuerwerk mit viel Selbstironie. Die Serie weiß genau, was sie tut – und obwohl der Humor nicht immer trifft und die Charaktertiefe unter der Quantität leidet, ist es schwer, sich dieser absurden Liebes-Tour zu entziehen. Staffel 3? Wird geguckt. Aus Neugier. Aus masochistischem Interesse. Oder einfach, weil man wissen will, wie viel absurder es noch werden kann.
9 out of 12 users liked this review