

This review may contain spoilers.
Ach ja, The Tunnel to Summer. Der Titel klingt schon wie eine poetisch durchgeweichte Pinterest-Kachel – und genau so fühlt sich der Film auch über weite Strecken an. Eine Mischung aus ernstgemeintem Gefühl, einem Spritzer Mystery und einer Brise Selbstfindung – alles wunderbar arrangiert, nur leider wie eine perfekt angerichtete Mahlzeit, bei der man am Ende trotzdem denkt: „War nett, aber warum bin ich nicht satt?“
Der Plot?
Jugendlicher Schmerz trifft magische Realitätsflucht. Ein Tunnel, der Wünsche erfüllt, kostet Lebenszeit. Die Prämisse schreit förmlich: "Hier gibt es Tragik bleiben sie sitzen und genießen sie die Show!" Und der Film antwortet: "Nein danke, wir bleiben lieber beim emotionalen Mittelmaß, das sich niemandem wehtut."
Dabei liegt das Potenzial so offensichtlich auf der Hand, dass es schon fast weh tut. Der Tunnel – metaphorisch für Verlust, Reue, unerfüllte Sehnsucht – hätte eine Bühne sein können für emotionale Abrisse. Stattdessen wird er zum Ort leicht melancholischer Wandaufkleber Zitate: "Du findest nicht, was du willst. Du findest, was du brauchst." Ach, bitte.
Die Figuren?
Überraschend gut. Dialoge, die nicht zum Fremdschämen einladen (eine Seltenheit!), und eine Chemie, die funktioniert, auch wenn sie nie ganz glüht. Kaoru Tōno, unser tragischer, aber irgendwie passiv-aggressiv ruhiger Protagonist, trägt viel – aber manchmal hat man das Gefühl, dass er selbst nicht weiß, ob er traurig oder einfach nur müde ist. Und Anzu Hanashiro – klug, kantig, charmant – bleibt trotz alledem merkwürdig unantastbar. Die Dialoge? Stark. Die Emotionen? Naja, immerhin vorhanden.
Visuell?
Solide. Makoto Shinkai hat inzwischen den Maßstab so absurd hochgelegt, dass „schöne Hintergründe“ uns kaum noch beeindrucken. Der Tunnel selbst ist hübsch animiert, fast wie eine Lavalampe mit dramaturgischem Anspruch. Und ja, die Musik ist passend, aber manchmal etwas zu bemüht – als würde der Score sagen: "Wein jetzt!" und man antwortet: "Ich versuch's ja!"
Und dann gibt’s da noch ein kurioses Detail für Fans der deutschen Synchro: Max Felder spricht den Protagonisten Kaoru Tōno aber auch Eren Jaeger – während im Hintergrund das Meer rauscht. Witziger Zufall. Ich hab gelacht.
Das große Problem:
Fazit:
The Tunnel to Summer ist ein Film, der viel verspricht, wenig falsch macht, aber trotzdem nie ganz ankommt. Er kratzt an großen Gefühlen, bleibt aber in einem Bereich der wohltemperierten Ergriffenheit hängen, der zu gefällig ist, um wirklich zu beeindrucken. Wer Pathos mit Maß und Mystery mit Bedienungsanleitung mag, wird hier solide bedient. Wer auf emotionale Eskalation hofft – tja, der bleibt am Tunnelausgang stehen.
Kleiner Bonus:
ich besitze die Dreistigkeit, weil ich ja an dem Ende rumgenörgelt habe, eine Alternative anzubieten:
Kaoru sinkt auf die Knie, Tränen gleiten ihm über die Wangen – nicht reißerisch, sondern leise, fast verwundert. sein Handy klingelt er hat eine SMS bekommen, er klappt das Handy auf dann: Schwarzblende.
Credits.
Statt der üblichen Musik-Montage: Textnachrichten, eine nach der anderen, aus Anzus restlichem Leben zusammen mit Standbildern.
Nachrichten, die sie Kaoru geschrieben hat, obwohl sie wusste, dass er sie nie lesen würde:
„Heute war mein Uniabschluss.“
„Ich habe mich gefragt, ob du den Tunnel je wieder verlässt.“
„Ich habe jemand Neues kennengelernt. Ich mag ihn. Aber er ist nicht du.“
„Ich habe ein Kind bekommen. Wo bist du nur.“
„Ich hoffe, du bist glücklich, wo immer du bist.“
„Ich warte nicht mehr. Aber ich vergesse dich nie.“
Der Bildschirm bleibt schwarz.
Nur der letzte Satz erscheint:
„Danke, dass ich damals geblieben bin.“
Irgendwie so halt
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