

Ein laues Lüftchen mit frostiger Fassade
Joar, war ganz nett – hat mich aber, nun ja, kalt gelassen. Nicht im Sinne von „schlecht“, sondern im Sinne von: nett gemeint, aber irgendwann friert einem beim Zuschauen das Herz ein. Der Anime ist wie ein winterlicher Spaziergang mit zu dünner Jacke: hübsch, aber emotional unterkühlt und am Ende wünscht man sich doch ein bisschen mehr Wärme. Und vielleicht auch ein bisschen mehr Plot.
Die Prämisse klingt charmant: mythologisch inspirierte Office-Romcom mit einem Hauch Magie. Unser Protagonist, Himuro, ist der Nachfahre einer Schneefrau – was bedeutet, dass er bei emotionaler Aufregung buchstäblich einen Kälteeinbruch bekommt. Schneestürme im Meetingraum, Eiszapfen in der Kaffeeküche, frierende Kollegen – alles dabei. Doch leider wird dieses Gimmick dermaßen inflationär und vorhersehbar eingesetzt, dass es sich nach kurzer Zeit mehr wie Running-Gag-Tiefkühlkost anfühlt als wie narrative Würze. Der Witz ist spätestens ab Folge drei aufgetaut.
Die Figuren
Himuro ist ein wandelnder Schneeengel in Menschengestalt – höflich, sanft, loyal, aber eben auch gefangen in einem Loop aus innerer Unsicherheit und äußerer Wetterlage. Seine Kollegin Fuyutsuki (Name subtil wie eine Schneeflocke auf schwarzem Samt) bleibt… cool. Und zwar durchgehend. Sie ist nett, freundlich, kompetent – aber so zurückhaltend, dass selbst ein Eisblock daneben expressiv wirkt. Ihre Dialoge wirken oft wie aus einem Smalltalk-Baukasten: warm lächelnd, aber inhaltlich frostig.
Die Nebencharaktere – unter anderem ein kitsune-verwandter Kollege und eine stets gut gelaunte Freundin mit Yuki-Onna-DNA – liefern solide Back-up-Vibes, aber bleiben größtenteils Deko. Sie existieren, um kurze Temperaturschwankungen ins Geschehen zu bringen – echte Substanz oder relevante Konflikte? Eher dünn wie eine Schneeschicht im April.
Animation & Musik
Optisch? Kühl, clean, minimalistisch. Das Charakterdesign ist charmant, die Farben angenehm soft, die Hintergründe detailarm, aber atmosphärisch. Der Zeichenstil passt zur Stimmung – ein bisschen wie Kirschblüten bei Frost: schön, aber schnell welk. Die Musik? Angenehm, fast lo-fi, aber oft so unauffällig, dass man vergisst, dass sie da ist. Kein Ohrwurm, kein Score, der Szenen trägt – eher ein musikalischer Hauch von Atemluft an einem kühlen Morgen.
Das Pacing
Und hier kommt der eiskalte Windstoß: Das Erzähltempo ist… arktisch. Manchmal hat man das Gefühl, jede Annäherung der Figuren dauere drei Jahreszeiten. Die Romantik entwickelt sich im Millimeterbereich. Ja, langsamer Aufbau kann romantisch sein – aber wenn selbst ein Händedruck nach elf Folgen noch als emotionaler Höhepunkt gilt, fragt man sich irgendwann, ob man wirklich eine Lovestory oder bloß eine sehr höfliche Kollegschaft beobachtet. In manchen Episoden passiert so wenig, dass selbst ein eingefrorenes Standbild mehr Handlung hätte.
Fazit
The Ice Guy and His Cool Female Colleague ist wie ein Eiswürfel im Wasserglas: stilvoll, visuell erfrischend, aber spätestens ab Folge vier geschmolzen – und was bleibt, ist ein leicht wässriger Nachgeschmack. Die Prämisse hat Charme, die Figuren sind liebenswert, aber der Mut zur echten Emotionalität fehlt. Statt Glut unter dem Eis gibt’s bloß höfliches Lächeln im Dauerfrost.
Oder um es anders zu sagen: Wer Romantik auf Zimmertemperatur sucht, friert hier sanft aber sicher ein.__
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