
a review by Ihmcheck

a review by Ihmcheck
Beginnen wir mit dem Offensichtlichen:
Dandadan sieht fantastisch aus.
Der Animationsstil ist nicht nur eigenständig, sondern erinnert im besten Sinne an Mob Psycho 100 – visuell überdreht, hochenergetisch, verspielt und doch erstaunlich präzise im Ausdruck. Besonders bemerkenswert ist, wie es dem Studio gelingt, die chaotische Energie der Vorlage zu kanalisieren, ohne in bloße Reizüberflutung zu verfallen. Ich bin ein großer Fan, wenn ein Anime visuell so sehr aus der Masse hervorsticht – gerade dann, wenn dabei auch Emotionen, Energie und absurde Eskalation so kraftvoll transportiert werden. Es ist schrill, laut, bunt – und es funktioniert.
Trotzdem, und das ist das eigentliche Paradoxon dieser Serie: Während ich all das wertschätze, merke ich, dass ich erstaunlich wenig fühle. Das soll kein vernichtendes Urteil sein – im Gegenteil. Vielleicht ist genau das auch eine Qualität: Wenn eine Show nichts wirklich falsch macht, ist das meiner Meinung nach schon mal eine hervorragende Grundlage. Nicht jede Serie muss mich emotional zerlegen. Manchmal reicht es, wenn ich mit einem breiten Grinsen dastehe und denke: „Okay, das war abgefahren.“
Die beiden Hauptfiguren – Momo Ayase und Okarun – tragen die Show mit einer ordentlichen Portion Chemie. Ihr Zusammenspiel ist charmant, mal frech, mal zurückhaltend, oft funktional – aber durchweg sympathisch. Besonders gefällt mir, wie sehr beide jenseits der typischen Genre-Klischees agieren. Okarun ist nerdig, aber nicht peinlich – und Momo ist tough, ohne je zur Karikatur zu werden. Natürlich gibt es klassische Tropes, aber sie werden hier so überdreht, dass es fast schon wie eine Parodie auf das eigene Genre wirkt. Und das macht Spaß. Der einzige Kritikpunkt ist das es manchmal so wirkt als würde der Drehbuchautor schockiert aufstehen und schreien: "Cut! Szene nochmal aber diesmal mit mehr Reibung und künstliches Drama die Leute wollen emotionale Action sehen"! Das kann bisweilen etwas nerven wenn Drama nur zum Zweck und nicht zum Sinn eingesetzt wird.
Aber auch die absurden Szenarien, die sich im Laufe der Geschichte entfalten, tragen enorm zum Unterhaltungswert bei. Ob wir nun plötzlich einer pervertierten TurboOma begegnen, fliegende, organisch-kybernetische Aliens durch die Gegend jagen oder uns in Dimensionen wiederfinden, in denen Zeit, Raum und Logik eher Vorschläge als Regeln sind – Dandadan bleibt sich in seiner überbordenden Absurdität treu. Es ist ein bisschen, als würde man durch einen Popkultur-Mixer gedreht werden, der Science-Fiction, Spiritismus, Shonen-Kampf und Highschool-Romance gleichzeitig püriert – mit überraschend trinkbarem Ergebnis.
Allerdings: Das Finale. Nun. Es endet. Einfach so. Ohne echten Payoff, ohne Katharsis, ohne das Gefühl, einen narrativen Bogen abgeschlossen zu haben. Vielleicht ist das mutig gedacht – ein „wir erzählen einfach weiter“-Ansatz, wie man ihn aus laufenden Manga-Adaptionen kennt. Aber für mich persönlich war das eher unbefriedigend. Ich hatte gehofft, dass die erste Staffel zumindest eine kleine Klammer findet. Stattdessen fühlt es sich so an, als sei jemand mitten im Satz aufgestanden und gegangen.
Die zwei neuen Figuren, die gegen Ende zur Truppe dazustoßen, bringen immerhin frischen Wind mit. Noch sind sie jedoch eher Beiwerk – als Comic Relief gedacht, als Plot-Tool eingesetzt. Ich hoffe sehr, dass sich kommende Staffeln die Zeit nehmen, diese Figuren zu vertiefen. Die Anlagen sind da. Und in einem Cast, der ohnehin schon angenehm schräg ist, wäre mehr Tiefe das Sahnehäubchen.
Die Musik? Tut, was sie soll – manchmal bombastisch, manchmal verspielt, oft etwas generisch, aber nie störend. Die Animation? Fantastisch. Gerade in den Kampfszenen zeigt Dandadan eine Dynamik, die man sonst eher in Kinoproduktionen erwartet. Da explodieren Farben, Linien tänzeln über den Bildschirm, und kinetische Energie wird fast greifbar.
Das Pacing? Schwankt. In den besten Momenten fühlt sich die Serie wie ein Ritt auf einer Achterbahn an – atemlos, unberechenbar, rasant. In schwächeren Passagen wirkt es hingegen so, als wolle man Zeit schinden, bevor der nächste absurde Höhepunkt aus dem Hut gezaubert wird. Es ist ein bisschen so, als hätte die Serie Angst vor dem Stillstand – und das kann auf Dauer etwas hektisch wirken.
Fazit:
Dandadan ist ein bunter, verrückter, energetischer Mix aus allem, was Anime so unterhaltsam machen kann. Es ist noch nicht perfekt, aber die erste Staffel zeigt bereits enorm viel Potenzial – visuell, humoristisch und auch erzählerisch. Es bleibt zu hoffen, dass sich zukünftige Staffeln trauen, dem Chaos auch echte emotionale Tiefe zu verleihen und die Figuren langfristig weiterzuentwickeln. Denn dann könnte aus diesem hyperaktiven Ideenfeuerwerk etwas wirklich Großes werden.
Ich bin gespannt – und auf jeden Fall: bereit für Staffel zwei.
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