

Okay, ganz ehrlich:
Die ersten paar Folgen dieses Animes haben mich emotional so sehr bewegt wie ein Montagmorgen im November. Ich saß da, Folge nach Folge, mit der Motivation eines Callcenter-Agenten, der reißfestes Klebeband an seine uninteressierten Geschäftspartner pitchen muss.
Ich hätte zwischendurch fast das Handtuch geworfen. Aber ich bin drangeblieben – einfach weil ich zu stur bin, um Sachen nicht zu Ende zu schauen, wenn sie gerade so erträglich sind.
Und siehe da: Irgendwann macht die Serie tatsächlich was richtig. Sie wird besser. Nicht „Wow, Meisterwerk!“-besser, sondern eher so: „Okay, jetzt fühl ich etwas – und nicht nur meine Lebenszeit verrinnen.“
Besonders stark ist der Anime, wenn er mal aufhört, auf halbgare Gags zu setzen, und stattdessen die emotionale Keule auspackt. Und wenn das passiert, dann richtig. Keine halben Sachen mehr, sondern plötzlich echte Gespräche, echte Blicke, echte Dramatik. So richtig stark wird der Anime, wenn er sich traut, die ganzen aufgestauten Gefühle auch wirklich rauszulassen.
Die Animation?
Stellenweise brutal gut. So gut, dass ich fast vergessen habe, wie sehr ich mich vorher gelangweilt hab. Es gibt Momente, da schreit das Bild förmlich: „Ja, das hier ist wichtig!“ – und man glaubt es. Es ist visuell nicht immer konsistent, aber wenn’s sein muss, haut die Serie ordentlich auf den Putz.
Natürlich kommt man aber auch nicht ganz um die typischen Trope-Klassiker herum: „Ich will gerade was Wichtiges sagen, aaaaber hoppla! Jemand unterbricht mich!“ – Wow. Zum 27. Mal. Wie kreativ. Irgendwann fühlt es sich an wie ein Running Gag, nur dass man halt nicht lacht.
Die Comedy?
Na ja. War jetzt kein Cringe-Fest, aber eben auch kein Brüller. Eher so: „Schmunzeln, weitermachen.“ Es ist aushaltbar, stört nicht komplett, aber trägt halt auch nix bei. Kann man skippen, ohne was zu verpassen.
Kommen wir zu den Figuren:
Taiga. Die emotionale Abrissbirne mit Hang zum Overkill. Ihre Ausraster waren so over the top – man könnte meinen, sie hält sich für den menschgewordenen Vulkan der Gefühle. Ständig schreien, ständig explodieren. Ich war emotional ausgelaugt vom Zusehen. Aber: Sie kriegt später tatsächlich ne halbwegs anständige Entwicklung. Nicht perfekt, aber sie wirkt am Ende zumindest wie ein Mensch und nicht mehr wie ein auf Koffein und Kindheitstrauma laufender Flammenwerfer.
Ryuji hingegen?
Hatte leider die Charakterentwicklung eines Klappstuhls. Der bleibt halt einfach… Ryuji. Immer charmant, immer irgendwie da, aber ohne echte Tiefe. Da wäre so viel mehr gegangen. Vor allem, weil sein Charakter Setup echt spannend ist. Schade drum.
Die Nebenfiguren?
Überraschend passabel! Nicht jeder bekommt einen riesigen Arc, aber man merkt, dass sie nicht nur Staffage sind. Sie haben Motivationen, kleine eigene Geschichten, und manche Szenen mit ihnen waren fast stärker als die zwischen den Hauptfiguren. Das hat echt geholfen, das Ganze lebendiger zu machen.
Fazit:
Der Anime ist kein Meisterwerk, aber auch kein Griff ins Klo. Zwischen viel mittelmäßigem Kram verstecken sich ein paar richtig süße, echte, bewegende Momente. Und manchmal reicht das schon, um dranzubleiben. Mich hat’s am Ende dann doch irgendwie gepackt.__
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