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Ich war ehrlich gesagt positiv überrascht. Mir wurde Horimiya in einem Podcast mit den Worten empfohlen: „Hier geht’s mal um eine Beziehung, wenn man schon zusammen ist.“
Klang vielversprechend – und hey, ein bisschen frischer Wind im Rom-Com-Genre schadet nie, oder?
Und ja, teilweise wurde dieses Versprechen auch eingelöst. Zumindest zu Beginn. Die Dynamik zwischen Hori und Miyamura funktioniert super: Gegensätze, die sich nicht nur anziehen, sondern dabei auch noch unterhaltsam sind. Nichts grundlegend Neues, klar – aber mal wieder ein Beweis dafür, dass Altbekanntes sehr wohl funktionieren kann, wenn es gut umgesetzt wird. Sie kabbeln sich, sie necken sich, sie sind mal süß, mal anstrengend – und dadurch wirken sie tatsächlich wie ein Paar, das schon mittendrin ist, nicht am Anfang steht. Und das ist selten genug.
Aber dann... ja, dann verliert sich die Serie leider in ihrer Struktur. Statt die bereits vorhandenen Paare weiterzuentwickeln oder echten Tiefgang zu bieten, werden ständig neue Charaktere eingeführt. Im Minutentakt, gefühlt. Jeder bekommt seinen kleinen Moment, seine Hintergrundstory, sein Minidrama – aber am Ende fühlt sich das Ganze mehr nach einem Social-Slice-of-Life-Charakter-Karussell an als nach einer fokussierten Beziehungsgeschichte.
Und wenn wir schon dabei sind: Die Nebenfiguren – davon gibt’s mehr als genug. Einige funktionieren, andere… naja. Sie wirken nett, keine Frage. Manchmal charmant, manchmal sogar interessant. Aber – Hand aufs Herz – wirklich in Erinnerung bleibt da keiner. Es ist so ein bisschen wie bei Namen auf einer Party: Du hörst sie, nickst höflich, und fünf Minuten später weißt du nur noch, dass jemand da war. Selbst in den letzten paar Folgen tauchen noch neue Figuren auf, die gleich komplette Episoden für ihr Debüt in Anspruch nehmen. Und ich saß da nur und dachte: „Können wir bitte wieder zurück zu Hori und Miyamura?“
Gerade in der zweiten Hälfte schleicht sich dadurch eine gewisse Leere ein. Die Show rutscht langsam aber sicher in klassische Rom-Com-Gewässer ab – charmant, ja, aber leider ohne echtes Gewicht. Keine wirkliche Entwicklung mehr, keine Konfrontation mit tieferen Beziehungsfragen. Es bleibt oberflächlich nett – wie ein Cappuccino mit viel Milchschaum, aber zu wenig Kaffee.
Trotzdem: Der Humor hat für mich funktioniert. Einige Jokes haben mich echt zum Schmunzeln gebracht – besonders der unerwartet dominanzliebende Kink von Hori war... sagen wir mal: erfrischend anders. Es war ein bizarr-komischer Kniff, der nicht nur Potenzial für mehr Comedy bot, sondern sogar als Ausgangspunkt für einen interessanten Nebenplot hätte dienen können. Aber auch hier: Idee gut, Umsetzung meh.
Visuell macht die Serie übrigens einen soliden Eindruck. Kein Stilbrecher, aber sauber animiert. Farblich freundlich, mit einem angenehmen Flow. Das reicht, um die Emotionen zu transportieren – auch wenn visuell keine Bäume ausgerissen werden.
Kurz gesagt:
Horimiya ist keine schlechte Serie. Aber die große Stärke – der Fokus auf eine bestehende Beziehung – wird leider nicht konsequent durchgezogen. Stattdessen verliert sich die Show im „Alltag mit der Clique“-Modus. Sympathisch, charmant, manchmal witzig – aber meine Erwartungen wurden nur zum Teil erfüllt. Eine angenehme Serie, die weder unterfordert noch überfordert. Aber leider auch keine, die nachhaltig Eindruck hinterlässt.
Eher ein flüchtiger Besuch als ein bleibendes Gefühl.
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