

Also mal ganz ehrlich: Wäre ich nur nach dem Titel und Cover gegangen, hätte ich den Anime nie angerührt. „Bunny Girl Senpai“? Klingt wie ein 0815-Ecchi mit schlechten Witzen und pubertärer Fanservice-Obsession. Ich hab’s lange gemieden – zurecht, dachte ich. Und dann kam diese berüchtigte Mischung aus Langeweile und Neugier, in der man plötzlich Dinge schaut, die man monatelang ignoriert hat.
Was soll ich sagen? Ich hab’s gestartet… und direkt gemerkt: Oh. Das ist was anderes.
Schon die ersten 30 Sekunden hatten mehr emotionale Spannung als so mancher Anime in seiner ganzen Laufzeit. Und obwohl ich zu Beginn noch auf den ersten Cringe-Moment wartete, blieb der einfach aus. Stattdessen: Ein ruhiger, kluger, seltsam fesselnder Einstieg in eine Geschichte, die sich emotional langsam entfaltet – und dann richtig zuschlägt. Der Anime ist extrem dialoglastig – was normalerweise ein Problem wäre. Aber hier? Die Dialoge sind das absolute Herzstück. Ich habe wirklich jede Unterhaltung genossen. Vor allem die Gespräche zwischen Mai und Sakuta sind pures Gold. Es war fast surreal, wie sehr mich die Wortgefechte der beiden reingezogen haben. Normalerweise rechne ich bei dieser Art von Serie mit peinlichen Witzen oder überzogenen Anime-Dialogen, bei denen man innerlich die Augen verdreht und denkt: „Ist halt Anime, ne…“ Aber hier? Nichts davon. Die Gespräche sind clever, subtil, voller Sarkasmus und trockenem Humor.
Sakutas schroffe, direkte Art kombiniert mit Mais sarkastischem Biss ergibt ein Duo, dem ich stundenlang zuhören könnte – ganz ehrlich. Und dann noch diese brillante deutsche Synchro, die das alles perfekt trägt.
Was den Cast angeht: Es bleibt nicht bei den beiden. Jeder Charakter bekommt seinen Moment. Niemand wirkt wie Lückenfüller, jeder hat seinen eigenen kleinen Schmerz, seinen Platz in der Geschichte. Und weil die Figuren in unterschiedlichen Story-Arcs immer wieder auftauchen, fühlt sich das alles verdammt lebendig an.
Und worum geht’s eigentlich? Tja, theoretisch geht es um paranormale Phänomene, in die die Charaktere immer wieder hineingezogen werden und die sie gemeinsam lösen müssen. Klingt erstmal nach Mystery mit ein bisschen Highschool-Drama – aber das ist nur die Verpackung. Denn das wirklich Geniale ist: Diese Phänomene haben immer einen emotionalen Ursprung. Es geht nie einfach nur um „was passiert hier?“, sondern immer um warum passiert das – und was steckt emotional dahinter? Eine verdammt clevere Art, Themen wie Angst, Identitätsverlust, Einsamkeit oder Trauer zu erzählen, ohne den Holzhammer rauszuholen.
Nach dem Film (Rascal Does Not Dream of a Dreaming Girl) war ich jedenfalls komplett erledigt. Eine Art post-anime-depressive Leere mit bleierner Schwermütigkeit.
Und was hab ich gemacht?
Ich hab ihn direkt nochmal geschaut. Von Anfang bis Ende. Um das emotionale Chaos irgendwie zu sortieren.
Spoiler: Hat nicht geholfen. Aber es war schön.
Fazit:
Ein Meisterwerk in Hasenohren-Verkleidung. Wer sich vom Titel abschrecken lässt, verpasst eine der feinfühligsten, klügsten und emotionalsten Anime-Serien der letzten Jahre. Einziger Wermutstropfen: Der Drang, jedes emotionale Problem pseudowissenschaftlich zu erklären. Aber hey – wenn das der Preis ist für so viel Gefühl, dann zahl ich den gerne.
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