Ich war enttäuscht.
Im Anime-Kosmos wird Classroom of the Elite immer wieder als Geheimtipp gehandelt. Wenn man länger in der Anime-Bubble unterwegs ist, stolpert man früher oder später über diesen Titel – oder wird mit Lob über das angeblich brillante Writing und die komplexen Charaktere überschüttet. Mich hingegen hat das anfangs komplett kalt gelassen. Ich hatte hier eine Show vor mir, die einen unsichtbaren Hype mitschleppte, der mich, ganz ehrlich, nur enttäuschen konnte. Aber gut, dieses Phänomen kenne ich bei mir – also dachte ich mir: Es muss Gründe geben, warum die Serie so einen Ruf genießt. Und ja, so viel vorweg: Ich fand den Anime am Ende sehr sehenswert.
Worum geht’s überhaupt?
Eine Eliteschule, die ihre Schüler nach einem knallharten Punktesystem belohnt – wer oben schwimmt, lebt dekadent, wer unten absäuft, darf froh sein, überhaupt noch dabei zu sein. Klingt nach Battle Royale für Intellektuelle – nur ohne Blutvergießen, dafür mit Intrigen, Hinterhalten und jeder Menge Prüfungen, die mehr Stress machen als jede Matheklausur. Man bekommt als Zuschauer ständig Puzzlestücke hingeworfen, die man selbst zusammensetzen darf – leider feiert sich der Anime manchmal für Twists, die man längst erraten hat. Gerade zu Beginn zieht sich das, wird später aber deutlich besser.
Was den Anime wirklich trägt, sind die Figuren.
Classroom of the Elite hat viele interessante, aber mindestens genauso viele überflüssige Charaktere. Einige sind nur Deko, damit die Klassenzimmer voll aussehen. Der unangefochtene Star bleibt Kiyotaka Ayanokōji. Er ist das Mastermind mit kaltem Kalkül, ein wandelndes Pokerface. Witzig: Ich brauchte eine ganze Staffel, um mit ihm warm zu werden – obwohl ich diesen Antihelden-Archetypen sonst liebe. Liegt daran, dass er nicht nur seinen Mitschülern, sondern auch dem Zuschauer seine wahre Persönlichkeit verheimlicht. Erst im letzten inneren Monolog der ersten Staffel dachte ich mir: „Ah, jetzt verstehe ich es. Cooler Charakter – mal sehen, was da noch geht.“
Er verbirgt seine Vergangenheit, hält alle auf Distanz und zieht doch im Hintergrund alle Fäden. Sein Antrieb bleibt rätselhaft: Will er Macht, Ruhe oder einfach nur testen, wie weit er gehen kann? Seine kühle Überlegenheit macht ihn zum absoluten Szenendieb.
Suzune Horikita ist ehrgeizig, sozial unbeholfen und lebt nur dafür, ihrem Bruder zu beweisen, dass sie nicht nutzlos ist. Sie wird Kiyotakas unfreiwillige Verbündete, merkt aber schnell, dass sie ohne ihn oft hilflos ist – was sie immer wieder in Zwickmühlen bringt.
Kikyou Kushida spielt die perfekte Freundin für alle, ist aber in Wahrheit manipulativ und gefährlich. Sie hasst Suzune und will Kiyotaka für ihre Zwecke einspannen – nur um festzustellen, dass er sie längst durchschaut hat.
Kakeru Ryuuen ist der aggressive Tyrann einer anderen Klasse. Er hält sich für unantastbar, bis er merkt, dass Kiyotaka ihm überlegen ist. Ihre Rivalität dreht sich nur darum, wer wen bricht.
Kei Karuizawa wirkt zuerst wie eine oberflächliche Modepuppe, ist aber vielschichtiger. Kiyotaka nutzt sie als Spionin, doch sie wird seine wichtigste Vertraute – zwischen Berechnung und echter Nähe.
Arisu Sakayanagi ist Kiyotakas intellektuelle Gegenspielerin. Schwach auf den Beinen, stark im Kopf – sie weiß mehr über ihn als alle anderen und treibt ihn in ein Spiel, bei dem nie klar ist, wer wen kontrolliert.
neben diesen ganzen gut ausgearbeiteten Figuren finden sich nur immer wieder Lückenfüller oder verschwendete Potentiale das beste Beispiel für mich ist Airi Sakura, man muss sich mal reinziehen das man sich eine ganze Folge und einen Miniarc zeit gibt um den Charakter irgendwie interessant zu machen und in dem Zuschauer vorzustellen und dann macht die ganze Show einfach nichts mit dieser leeren Charakterhülse. und davon gibt es leider noch ein paar Beispiele, der Anime baut Potential auf aber nutzt es dann nicht ordentlich.
Was macht die Serie also aus?
Es ist diese giftige Chemie zwischen kaltem Kalkül, falschen Fassaden und verdeckten Allianzen. Jeder ist ein Werkzeug, jeder wird manipuliert – oder manipuliert selbst. Nervig bleibt nur, dass es sich oft wie ein Videospiel anfühlt: von Prüfungs-Event zu Prüfungs-Event, bis der nächste Boss besiegt ist. Danach wechselt er brav die Seite – weil sein narrativer Zweck erfüllt ist. leider eine Krankheit die sich durch den kompletten Anime zieht, es gibt wie ich schon anbrachte viele interessante Figuren aber wenn man sich lieber zeit nimmt und die etwas blasseren Figuren in den Vordergrund stellt stellt man schnell fest das nichts bleibt, außer generischer Einheitsbrei in Charakterform. Ich kann mir nur vorstellen das das unabdinglich ist aber es war fürmich trotzallem immer etwas frustrierend "zeit zu verschwenden" für Figuren die keine Relevanz haben.
Dazu kommt das langsame Pacing: Es ist Fluch und Segen. Die Charaktere bekommen Luft, sich zu entwickeln – aber manchmal dauert es ewig, bis was passiert. Okay kommen wir kurz zu dem Ecchi-Kram, bleibt Geschmackssache. Braucht man nicht, nervt, ist aber Anime-Industrie-Standard. Die Animationen? Solide, manchmal schön, meistens eher Dienst nach Vorschrift.
Fazit:
Classroom of the Elite braucht Geduld, ein Faible für intrigante Figuren und Spaß am Rätseln. Die Show ist am besten, wenn es seinen genialen Antihelden von der Leine lässt. Ein intelligenter, manipulativer Strippenzieher inmitten einer Schar ahnungsloser Bauern. Wer Geduld mitbringt, wird belohnt. Und wer nur Kiyotaka sehen will – auch. Ich freue mich auf Staffel 4 – schon allein, um zu sehen, welche Fassade als Nächstes bröckelt.
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