Es ist mal wieder ein Romance-Anime, der schon länger auf meinem „den schaue ich safe irgendwann mal“-Stapel lag – bis es eben Zeit wurde und ich einfach auf Play gedrückt habe.
Kurz zur Handlung: klassische Romance-Anime-Kost. Ein unbeliebter Junge „steht“ auf ein beliebtes Mädchen. Es kommt natürlich, wie es kommen muss: Die beiden freunden sich an und zwischen ihnen entwickelt sich eine romantische Beziehung. Soweit, so klassisch.
Allerdings ist unser MC Ichikawa gar nicht so interessiert an Yamada – zumindest nicht auf die Art und Weise, wie man es in so einer Show erwarten würde.
Ich möchte ehrlich sein: Die ersten drei, vier Episoden waren wirklich schwer zu gucken. Ichikawa steckt voll in dieser klassischen Emo-Edgelord-Phase, in der vermutlich viele in ihrer Jugend mal waren. Entsprechend sind auch seine Gedankengänge extrem fremdschämig – was vermutlich genau so gewollt ist.
Auf der anderen Seite steht Yamada, mit der ich anfangs ebenfalls sehr, sehr wenig anfangen konnte. Mein erster Gedanke war: „Die ist never eine Mittelschülerin, was zum Henker?“ Abgesehen von der visuellen Präsentation, die kaum vermuten lässt, dass sie 13 ist, kommt noch ihr Charakter hinzu. Sie isst. Viel. Und in den ersten Episoden ist das gefühlt auch das dominierende Charaktermerkmal. Klar, das ist etwas vereinfacht dargestellt – aber genau diese Facetten prasselten anfangs auf mich ein.
Auch die „Gespräche“ in den ersten Episoden haben es mir nicht leicht gemacht. Insgesamt also ein wirklich holpriger Start. Trotzdem gab es etwas, das mich weiterschauen ließ: der Gedanke, ob hier echte Charakterentwicklung stattfinden wird. Und ja – die gibt es.
Nachdem wir das Cringe-Tal verlassen haben, entspinnt sich tatsächlich eine sehr süße und vor allem langsame romantische Beziehung zwischen den beiden, die sich überraschend natürlich anfühlt.
Ab diesem Punkt nimmt die Serie Fahrt auf. Ichikawa beginnt, sich Hals über Kopf in Yamada zu verlieben – auch wenn dieser Umschwung zunächst etwas abrupt wirkt. Gleichzeitig lässt sich das durchaus mit pubertären Gefühlen erklären.
Auf dem Papier haben die beiden eigentlich kaum Gemeinsamkeiten, und trotzdem entwickelt sich eine spürbare Chemie. Was ich dabei spannend finde: Worüber spricht man eigentlich, wenn dieser ganze Kopfterror überwunden ist? Denn genau darum geht es. Ichikawa macht sich permanent Sorgen um Yamada, hat Angst, sie mit seiner Anwesenheit zu belästigen, und nimmt sich selbst als Bürde wahr. Yamada hingegen übernimmt oft eine Art „große Schwester“-Rolle und lockt ihn immer wieder aus der Reserve.
Hier liegt für mich der stärkste Punkt der Serie: Die Charaktere wachsen organisch. Besonders Ichikawa durchläuft eine bemerkenswerte Entwicklung. Am Anfang ist er dieser leicht seltsame Edgelord-Junge – und am Ende ist er das in gewisser Weise immer noch. Aber er strahlt eine völlig andere Energie aus. Seine socially awkward Art ist nicht verschwunden, sondern gereift. Er hat noch immer seltsame Takes, macht komische Dinge – aber wirkt deutlich erwachsener.
Und genau davon erzählt diese Serie: vom Reifen, vom Wachsen, vom Erwachsenwerden. Immer wieder stellen sich die Figuren die Frage, was es eigentlich bedeutet, erwachsen zu sein – und ob es überhaupt gut ist, es zu werden.
Ein für mich elementarer Charakter in diesem Kontext ist Shou Adachi. Er verkörpert den „typischen“ 13-jährigen Jungen in seiner vollpubertären Phase, der sich nichts sehnlicher wünscht als eine Freundin – und all das, was er sich darunter vorstellt. Seine Unreife wird immer wieder deutlich, ebenso sein Scheitern. Er steht im Kontrast zu Ichikawa, der durch den Umgang mit Yamada langsam reift. Gegen Ende der zweiten Staffel gibt es eine Szene, die diesen Unterschied sehr klar aufzeigt.
Natürlich gibt es noch weitere Charaktere, aber seien wir ehrlich: Viele bleiben relativ blass und dienen eher als Beiwerk, um den Plot aufzulockern.
Ab einem gewissen Punkt verschiebt sich der Fokus stark auf Yamadas Schauspielkarriere. Das ist grundsätzlich ein erfrischendes Szenario, wirkt in der Umsetzung jedoch stellenweise etwas repetitiv. Viele Konflikte drehen sich immer wieder um dieselbe Aussage: „Ichikawa muss Rücksicht auf Yamada nehmen, weil sie Träume und Wünsche außerhalb des normalen Mittelschülerlebens hat.“ Das ist thematisch sinnvoll, kann aber mit der Zeit etwas eintönig werden.
Spoiler
Aber dann ist halt Schluss. Und ich kann es langsam wirklich nicht mehr sehen. Die Serie kann nichts dafür, aber ich wünsche mir so sehr, dass diese 24 Episoden nicht immer in diesem klaren Climax enden. Warum nicht schon in der Mitte der Show das Geständnis bringen und dann die Beziehung selbst beleuchten? Gerade in einer Serie, die vom Wachstum erzählt, würde das hervorragend passen.
Aber ich will auch nicht so tun, als hätte ich etwas anderes erwartet. Der Ausgang ist im Grunde schon in der ersten Episode klar.
Spoiler Ende
Visuelle Präsentation & Musik
Zur visuellen Präsentation in einem Wort: Banger. Es ist einer dieser Anime, bei denen einem gar nicht bewusst ist, wie gut die Animation eigentlich ist – und das ist eines der größten Komplimente, die man machen kann.
Die Musik ist immer passend, auch wenn sie mir weniger im Gedächtnis geblieben ist. Was ich jedoch besonders hervorheben möchte, ist das Opening der zweiten Staffel. Ich habe es nie übersprungen. Der Track hat melancholische Vibes, ist gleichzeitig aufreibend und emotional positiv aufgeladen. Zusammen mit der Animation: wirklich mad Props.
Fazit
Ich habe erst im Nachhinein gemerkt, wie emotional mich dieser Anime berührt hat. Es ist wie immer nach einer guten Show: Man möchte mehr sehen. Und es bleibt dieses seltsame Loch zurück, das erst einmal wieder mit etwas anderem gefüllt werden muss.~!!~
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