Obacht, meine Kerle, diese Rezension enthält Spoiler.
Nachdem ich von Saki dermaßen begeistert war, war es nur logisch, danach das Spin-Off Saki: Achiga-hen: Epsiode of Side-A zu schauen. Die Enttäuschung war groß.
In Saki versucht die namensgebende Protagonistin durch Mahjong an ihre Schwester heranzukommen, von der sie sich nicht gerade im Guten getrennt hat. Das mag als Initialzündung funktionieren, ist aber weit entfernt von einer guten Geschichte, die einen ganzen Anime tragen kann. Deswegen ist es umso erstaunlicher, dass Ritz in Achiga-hen auf eine leicht abgewandelte Variante dieser Story zurückgreift.
Shizuno sieht im Fernsehen, wie ihre Grundschulfreundin Nodoka (ja, diese Nodoka) die Middleschool Individuals gewinnt und beschließt, sie wiederzutreffen. Normale Menschen würden jetzt anrufen oder eine Karte schreiben, aber im Sakiverse scheint der einzige Weg, alte Freunde oder Verwandte wiederzusehen, durch Mahjongturniere zu sein. Sie reanimiert also ihren alten Mahjongclub und setzt sich zum Ziel, nächstes Jahr als Team der Achiga Highschool bei den Team-Nationals teilzunehmen. Der Club besteht neben Shizuno aus ihren beiden Freundinnen Kuro und Ako (welche sogar dem regionalen Topteam Bansei eine Absage erteilt, um nach Achiga zu gehen), Kuros älterer Schwester Yuu und Arata, die eine sehr enge Bindung zum Coach der Truppe, Harue Akado, einer ehemaligen professionellen Mahjongspielerin, hat.
In der zweiten Runde wird Achiga dann von Senriyama in die Schranken gewiesen und rettet sich mit einem Vorsprung von weniger als 1000 Punkten ins Halbfinale. Es ist auch das erste Mal, dass man in Achiga-hen wirkliche Mahjong-Matches sieht, wie man sie aus Saki gewohnt ist. Nach einem weiteren kurzen Training gegen Teilnehmer der Individuals beginnt in Episode neun das wohl zäheste Spiel, welches das Saki Franchise zu bieten hat.
Im Vanguard-Match treten an: Toki, auf die Achiga schon in der zweiten Runde traf und die ihre Lebenskraft opfern kann, um in die Zukunft zu sehen. Hanada, die immer gute Laune hat und niemals alle ihre Punkte verliert. Kuro, die Dora sammelt. Und Teru Miyanaga, wie ihre Schwester Saki (ja, diese Saki) eine Mahjong-Killermaschine, die ohne jegliche Emotion ihre Gegner unangespitzt in den Boden rammt. Nachdem Toki die erste Rund gewinnt, dreht Teru auf und die folgenden Runden laufen praktische alle gleich ab: Teru setzt die anderen unter Druck, Toki ist schwer beschäftigt damit nicht zu sterben während sie in die Zukunft schaut, Hanada versucht etwas (und scheitert häufig), Kuro sammelt Dora. Und das ganze vier(!) Episoden lang. Irgendwann schließen sich Toki und Hanada zusammen, um Teru zu stoppen, während Kuro komplett paralysiert einen Dora nach dem anderen zieht.Schließlich wird sie dann doch noch erleuchtet, wirft einen Dora ab und beendet das Match, aus dem Teru mit einem Plus von knapp 96.000 Punkten hervorgeht.
Die letzten vier Episoden sind das größte Problem von Achiga-hen. Wenn man zeigen wollte, wie stark Teru ist, dann hätten auch zwei dieser Folgen gereicht. Es passiert immer das gleiche, man weiß schnell, was als nächstes kommt und Tokis Leiden sind irgendwann nur noch nervig. Bereits nach dem zweiten Einsatz ihrer Fähigkeit benimmt sie sich, als würde sie an der Schwelle des Todes stehen, aber einer geht noch. Und dann noch einer. Und noch einer.
Auch die Charaktere und Atmosphäre schwächeln.
Saki jonglierte mit einer Unmenge an Nebencharakteren, von denen überraschend viele eine Hintergrundgeschichte haben, auch die Geschichten der vier Schulen, die im Finale antreten, werden beleuchtet. Vor allem aber ist keiner der Charaktere unsympathisch, alle haben irgendetwas an sich, das sie liebenswert oder zumindest nicht störend macht.
Achiga-hen bringt nun Kunststück fertig, bei einem wesentlich kleineren Cast viel mehr uninteressante oder sogar nervige Charaktere einzubauen. Bis auf die Achiga-Mädchen und ihre Trainerin bleiben die meisten Charaktere flach und leblos.
Saki behandelt Mahjong als das was ist: Ein Gesellschaftsspiel. Zwar eins, in das viel Ehrgeiz fließt, aber immer noch ein Spiel. Selbst wenn Koromo die anderen am Tisch mit ihren Haiteis terrorisiert bleibt alles in einem fairen, sportlichen Rahmen, und nach dem Spiel gibt es eine bescheidene Siegerin und drei gute Verlierer, die heiß darauf sind, wieder gegeneinander antreten zu dürfen.
Achiga-hens Atmosphäre ist wesentlich ernster und angespannter. Gerade das Vanguard-Match fühlt sich an, als würde es nicht um den Einzug in ein Turnierfinale gehen sondern darum, wer über Bord gehen muss, weil das Schiff nicht alle tragen kann. Von sportlichem Wettkampf kaum eine Spur.
Natürlich dürfen auch dieses mal die Mahjong-Superkräfte nicht fehlen. Wer sich für die genauen Details nicht interessiert kann den Spoiler einfach überspringen:
Die Visuals sind denen aus Saki nicht unähnlich: Bunt und recht detailarm, dafür gibt es wieder hübsche, weichgezeichnete Szenerie und Hintergründe. Durch den Mangel an Mahjong-Szenen gibt es aber auch weniger der charakteristisch Mahjong-Effekte und diese wiederholen sich dann auch, weil es eben vier Folgen lang die selben Spieler sind. Allerdings wirken die Farben alle ein bisschen kräftiger/dunkler als in Saki und die Figuren scheinen auch noch ein paar Details und Schattierungen weniger zu haben.
Die Klangkulisse macht hingegen Fortschritte. Es gibt auch dieses mal einige wiederkehrende Tracks, diese halten sich aber meistens dezent im Hintergrund, genauso wie man es erwarten würde.
Das Intro „Miracle Rush“ ist feinster J-Pop, die beiden Outros leider alles andere als erinnerungswürdig.
Fazit:
Achiga-hen ist, besonders im Verhältnis zu Saki, ein Reinfall. All die Stärken, die Saki hatte (Mahjong, Charaktere, Atmosphäre) wurden eingetauscht für… ja, für was eigentlich? Den Versuch einer Story? Aber auch daran scheitert Achiga-hen und die letzten vier Folgen sind (auf ihre schlechte Art und Weise) ein mehr als passender Abschluss.
Und dann kamen die Specials.
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